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Ein roter VW Golf VII GTI Performance Facelift 2017.
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Still glorious?

Der VW Golf GTI Performance (2017) im Test

Geht das "GTI-Konzept" immer noch auf? Wir haben mit dem VW Golf GTI Performance 2017 den neuesten aller GTIs getestet.

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Wie ein Kampfpilot in der Kanzel sitzt man im perfekten Sportsitz und legt sich mit 1,2 G in die langgezogene Kurve der Autobahnauffahrt. Maximal konzentriert schwebt man wenige Zentimeter über dem Boden und sucht den idealen Punkt, um die gesamten 400, 550 oder vielleicht sogar 700 PS zu aktivieren:

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Dann wird das Gehirn mit so viel Druck an die Kopfstütze gepresst, dass man fast das Bewusstsein verliert, während ein hochgezüchteter Sportmotor seine Freuden-Symphonie abspielt. Und ab 300 km/h bekommt man das Gefühl, Geordi LaForge hat den Warp-Antrieb aktiviert: Die Straße vor einem wird enger, die nähere Umgebung unendlich breit, und die Landschaft fliegt so schnell vorbei, dass Bäume, Büsche und andere Autos Schlieren nach sich ziehen. Wer Vergleichbares ohne einen reinrassigen Sportwagen erleben will, muss Astronaut werden oder zu illegalen Rauschmitteln greifen.

Ist der Golf GTI am Ende der bessere Sportwagen?

In Wirklichkeit ist ein Supersportler aber leider erst die halbe Miete: Wem noch etwas am eigenen Leben – und an dem seiner Mitmenschen – liegt, wird sich Ort und Zeit für diese Art von Flash sehr besonnen aussuchen. Rundum geeignet dafür ist eigentlich nur die Rennstrecke, denn im öffentlichen Straßenverkehr muss schon einiges zusammenkommen: Unbeschränkte Autobahnabschnitte, die gut ausgebaut, sehr übersichtlich und so gut wie nicht befahren sind – so etwas gibt es natürlich, aber man muss es doch recht gezielt suchen.

Der Motor des VW Golf GTI mit 245 PS (180 kW) und 370 Nm.
245 PS (180 kW) und 370 Nm Drehmoment: Der Motor im neuen VW Golf GTI Performance.

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Im Alltag wird man sich meist mit weniger zufrieden geben: Ab und zu mal ein paar kurze Beschleunigungen an der Ampel, hier und da erwischt man eine freie Kurve auf der Landstraße oder hat unverhofft dann doch mal freie Fahrt auf der Autobahn. Alles in allem ist es aber, als würde man mit einer sich zierenden Schönheitskönigin anbandeln: Der verhuschte Gute-Nacht-Kuss nach dem siebzehnten Date ist zwar schön, aber nicht ganz zufriedenstellend.

Und für diese kleinen Freuden muss man eine echte Diva hofieren, ihr üppige SuperPlus-Menüs spendieren und die Straße nach Unebenheiten scannen, an denen sich die Holde ihr zartes Näschen stoßen könnte. Die empfindlichen Center-Lock-Felgen darf man hüten wie den eigenen Augapfel – und bei den Übernachtungen sind wohltemperierte Garagen eigentlich Pflicht. Darüber hinaus hat man sich zu benehmen. Essen hinterm Steuer ist absolut tabu - Fettflecken im Interieur wären eine Todsünde. Mit allzu viel Gerümpel braucht man ihr natürlich auch nicht kommen, ein Rennpferd ist schließlich kein Packesel.

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Das "Raumwunder Golf" bleibt natürlich auch der GTI-Version erhalten: 380 Liter Kofferraumvolumen und 1.270 Liter mit umgeklappter Rückbank.

Das Schlimmste ist aber der Stadtverkehr: Im Prinzip wäre man der rechtmäßige Chef im Ring – praktisch hilft einem das aber nur wenig. Man sitzt so weit unten, dass man im wuseligen Großstadtverkehr oft den Überblick verliert. Und der kleinste Blechschaden wäre eine finanzielle Katastrophe. Außerdem pflügt man damit mitten durch eine Meute, die sehnlich darauf wartet, dass man seinen Nobelboliden schrottet: Spott und Demütigungen darf man für diesen Fall also fest mit einplanen.

Das GTI-Prinzip: Sportlich durch alle Lebenslagen

Und was hat all das mit dem VW Golf GTI zu tun? So einiges. Denn auch wenn ein reinrassiger Sportler rein theoretisch unschlagbar ist, kauft ihm ein Hot Hatch im Alltag dennoch meist den Schneid ab: Hoch genug im Sattel, um alles bestens im Blick zu haben, kann man die kurzen, unprätentiösen Überhänge mit einer schwindelerregenden Wendigkeit durch den Großstadtdschungel schlängeln, den Morgen-Kaffee bei Bedarf in die zahlreichen Becherhalter dieser Fahrzeugklasse pfeffern und sich in die engsten Parklücken klemmen, ohne dabei wegen der Spoiler-Nase in Schnappatmung zu verfallen.

Der Innenraum eines VW Golf VII GTI Performance Facelift (2017).

Darüber hinaus macht ein Kompaktsportler auch in Fahrsituationen Spaß, in denen man mit einem echten Sportler noch lange nichts spüren kann: Geschwindigkeiten spürt man hier auch schon diesseits der „Vernunftgrenze“ von 250 km/h.

Zusammenfassend könnte man also sagen, der Hot Hatch ist nicht nur vielseitiger und alltagstauglicher, sondern oft auch der bessere Sportwagen. Ob der Golf GTI nun die Mutter aller Hot Hatches ist oder nicht – darüber streiten sich die Geister. Aber er ist unbestritten der berühmteste. 

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Der GTI – 41 Jahre lang genau auf den Punkt!

Was macht den GTI also aus? Er trifft seit mehr als 40 Jahren regelmäßig das, was die Angelsachsen einen „Sweetspot“ nennen. Hierzulande könnte man sagen, er trifft genau ins Schwarze – einen Punkt, der nahezu perfekt ist: Von allem gerade nicht zu viel – aber auch nicht zu wenig.

Dabei schießen die Wolfsburger natürlich auf ein bewegliches Ziel, denn ein 110 PS Motor, wie er im Ur-GTI verbaut war, würde es heute wohl nicht mehr in die Kategorie „sportlich“ schaffen. Deswegen lautet die spannendste Frage bei jedem neuen GTI: schafft er es auch dieses Mal wieder? Ist er wieder genau auf den Punkt?

Ein Active Info Display im Golf VII GTI Facelift (2017), das alle möglichen Infos auf der Instrumententafel einblenden kann.
The Show must go on! Nur um der guten alten Zeiten willen kauft den Golf GTI sicher niemand. Macht aber nix, denn er bietet auch genug 2017.

Der Golf GTI 2017– was ist neu?

Für all jene von euch, die keine salbenden Worte zur Einführung in den GTI-Kosmos mehr brauchen sei hier nun endlich erklärt, was sich seit dem letzten Modell von 2013 getan hat. Nun denn: Bei unserem Testwagen handelt es sich, ganz genau genommen, um einen Golf VII GTI Performance Facelift. Seit Neuerem spreizt VW vom GTI ja noch eine etwas stärkere Performance-Variante ab. Die Idee dahinter hat sich ja schon bei vielen Herstellern durchgesetzt, da man so mit einem Auto zwei Preissegmente bespielen kann.

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Daher stellt sich die Gemengelage in Sachen Motor nun wie folgt dar: VOR dem Facelift hatte der normale GTI 220 PS und der GTI Performance 230 Pferde. NACH dem Facelift hat der (normale) GTI nun den ehemaligen Performance Motor mit besagten 230 PS geerbt – und für den Performance wurde das Aggregat auf 245 PS hochgeschraubt.

Verändert wurde auch das bei VW DSG genannte Doppelkupplungsgetriebe, denn das hat einen Gang dazu bekommen und verfügt nun über derer sieben. Das führt erwartungsgemäß zu Effizienzsteigerungen und Verbrauchsminderungen – das wissen wir aber, um ganz ehrlich zu sein, auch nur vom Hörensagen: Unser Test-GTI ist nämlich ein Handschalter. Dafür können wir aber mit Sicherheit bezeugen, dass es nach wie vor ein riesen Spaß ist, den GTI manuell zu schalten – der kleine Schaltknüppel mit dem Golfball-Kopf liegt wunderbar in der Hand und rutscht durch die Gassen wie ein heißes Messer durch die Butter. Zumindest gefühlt schaltet man also von Hand sogar noch schneller als das DSG (was objektiv ganz sicher nicht stimmt, aber egal).

Zurück zu den Neuigkeiten. Optisch gibt es zwei Veränderungen, die man auch sofort als solche erkennen kann. Zum einen sind die Endrohre der Auspuffanlage ein ganzes Stück nach außen gewandert. Das lohnt sich, denn es versetzt den Tiefpunkt optisch ein wenig nach unten, was die ganze Sache bulliger macht. Zum anderen wurden die äußeren Luftführungsgitter an der Front nun nach hinten geöffnet. Damit führen sie nun also wirklich die Luft ums Auto herum – bislang waren sie nach hinten geschlossen und damit eigentlich nur ein Show-Effekt.

Das Heck eines Golf VII GTI Performance Facelift (2017).
Die Endrohre wurden nach außen versetzt. Eine gute Idee, denn optisch liegt der GTI nun tiefer und wirkt breiter.

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Für alles Weitere muss man dann schon sehr genau hinschauen: Die rote GTI-Akzent-Linie zum Beispiel. Sie war vor dem Facelift auch schon in die Scheinwerfer integriert – aber nun ist sie, ja nun, eben ein bisschen anders integriert. In diesem Maßstab gibt es dann noch eine Reihe von Kleinigkeiten, vor allem um die Scheinwerfer herum: Sie sind vorne und hinten breiter geworden – oder wirken zumindest so. Darüber hinaus wirken sie nun plastischer bzw. räumlicher – aber das ist eigentlich nur aus ganz bestimmten Blickwinkeln erkennbar.

Bei der Beurteilung des Fahrgefühls haben wir gewisse Schwierigkeiten, da uns VW letztes Jahr einen GTI Clubsport zur Verfügung gestellt hat. An dieses Auto kommt der aktuelle Performance natürlich nicht heran – aber das wäre sicher auch viel verlangt, denn der Clubsport war schließlich ein einmaliges Sondermodell. 

Insgesamt sind die 15 PS und die 20 Newtonmeter Mehrleistung schon ein wenig zu spüren. Vor allem das Heck unseres Dreitürers fühlt sich deutlich wendiger und fahraktiver an, subjektiv sogar im Vergleich zum Clubsport. Das könnte eventuell ein Grund sein, sich gegen einen Fünftürer – und damit gegen die Vernunft – zu entscheiden.

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Der VW Golf GTI Performance 2017: Still Glorious?

Auf jeden Fall. Der GTI kann zum einen alles, was ein Hot Hatch können muss: Go-Kart Feeling pur, absolut wendig – maximale Fahrfreude egal ob im Stadtverkehr oder auf der Landstraße. Und mit seinen 245 PS zieht er auch auf der Autobahn völlig mühelos bis auf 250 km/h durch. Auch der neueste GTI-Sound ist wieder eine gelungene Fortsetzung des nun schon 41-Jahre andauernden Grummel-Gesangs. Damit ist man in fast jeder Lebenslage recht sportlich unterwegs.

Fahrwerk und Motor des Golf 7 GTI Performance sind aber sicher auch für sehr beachtliche Rundenzeiten auf dem Nürburgring gut – konsequenterweise kann man sich für 60 Euro Aufpreis auch einen Feuerlöscher unter den Beifahrersitz ordern.

Alleskönner Golf GTI: Unendliche Möglichkeiten

Wenn man dann ein wenig in die Ausstattung investiert, wird aus dem GTI noch viel mehr als ein Sportler. Dazu kann man zunächst einmal zum adaptiven Fahrwerk mit Fahrprofilauswahl greifen – dann kann man es, je nach Laune, auch mal ruhiger angehen lassen: Im Komfort-Modus entspannen sich Fahrwerk und Lenkung spürbar und die Gasannahme wird leicht verzögert, so dass nicht jede Zuckung im Gasfuß gleich den Motor aufheulen lässt.

Zudem ist das Assistenten-Regal von VW recht prall gefüllt. Wenn man also den Abstandsregel-Tempomat, Totwinkelwarner, Spurhalteassistent & Co. dazu bestellt, wird der Golf GTI spätestens zusammen mit dem Active Info Display, mit dem sich von der Navigation über Radio und Telefon alles zwischen Tacho und Drehzahlmesser auf die Instrumententafel einblenden lässt, zum hochqualifizierten Langstreckenläufer. Die Sportsitze sind dazu auf jeden Fall bequem genug – und bei Kompaktwagen ja sowieso immer recht ergonomisch verbaut.

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Der VW Golf GTI: auch Wohnwagen sind denkbar

Damit wären wir zusätzlich zu den Vorzügen eines Kompaktsportlers schon bei den Fähigkeiten eines Sportcoupés angelangt – und auch optisch bekommt man den Golf GTI Performance 2017 sehr nahe an Coupé-Chic. Dafür muss man eigentlich gar nicht so viel tun: Die Sitze machen dank Retro-Karomuster auch ohne Leder (das gegen Aufpreis auch verfügbar wäre) ziemlich viel her und rote Ziernähte ziehen sich durchs Cockpit. Setzt man da noch das LED-Paket oben drauf, braucht man sich auch auf den vornehmsten Auffahrten eigentlich nicht mehr zu verstecken.

Aber das ist lange noch nicht das Ende – ein kurzer Klick auf die „5-Türen-Option“ im Konfigurator (900 Euro) und schon wird die Sache familientauglich, denn 4 Erwachsene finden im „Raumwunder Golf“ bekanntlich so gut Platz, dass man es fast schon mit der Mittelklasse aufnehmen kann.  

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Macht was her: die Sitze im Karo-Chic gibt´s im GTI serienmäßig.

Dabei lässt er sich allerdings mit abenteuerlicher Leichtigkeit in engste Parklücken zwängen. Hervorragende Übersicht, kurze Überhänge und eine unglaubliche Wendigkeit kommen ihm hier zu Gute. Die Heckkamera zu bestellen lohnt sich dabei allerdings trotzdem. Nicht, dass man sie dringend bräuchte. Aber wenn sie auch noch mit von der Partie ist, schleudert man den GTI per eingesprungenem Rittberger in die Lücke - das beeindruckt Passanten übrigens noch sehr viel tiefer als Motorgeräusch oder Ampelbeschleunigen.

Und wer noch einen drauflegen will, der bestellt noch die abklappbare Anhängerkupplung dazu – dann lässt sich bei 1600 kg gebremster Anhängelast (690 kg ungebremst) sogar ein leichter Pferdehänger oder gar Wohnwagen mitnehmen. Ein Stück weit kann der GTI also auch SUV.

Persönliches Fazit:

Sweetspot trifft es beim Golf GTI Performance vielleicht ganz gut. Denn wenn man nicht täglich eine Großfamilie befördern muss: Mit ein bis zwei Kindern und ein wenig Pioniergeist kommt man mit einem Golf GTI auch als einzigem Auto sicher noch gut durchs Leben – und hat für ca. 40.000 Euro gewissermaßen Sportcoupé und Alltags-Esel in einem.

Dabei hat er von allem genau so viel, wie man braucht: Kompaktsportler bis zum Allradantrieb hochzurüsten ist mir persönlich ein wenig viel des Guten – vor allem mit Blick auf Kaufpreis, Gewicht und Verbrauch. Aber mit seinem Sperrdifferential bekommt der GTI (Performance) seine 245 Pferdchen problemlos auf die Straße. Und er macht dabei einfach irrsinnig Spaß.

Aber natürlich ist der GTI schon lang nicht mehr allein: Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Kompaktsportlern, von denen viele den Golf GTI vor allem preislich unterbieten. Wenn man aber die GTI-Tür schließt und das Lenkrad umfasst, dann spürt man, dass VW nicht ganz umsonst der größte Autobauer der Welt ist: das Fahrgefühl ist einfach wunderbar solide und nahezu perfekt ausgewogen.

Um doch noch ein Haar in der Suppe zu finden, muss ich daher schon arg persönlich werden: Er gefällt mir einfach nicht. Aber das liegt nicht am GTI, sondern am Golf. Denn alle GTI-Verzierungen, von den roten Streifen in den Lichtern über die Sitze bis hin zu den Ziernähten und den Emblemen, sind soweit recht geil. Nur der Golf an sich gefällt mir schon seit 2003 nicht mehr. Aber das ist ja nun wirklich Geschmackssache.

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