Top Deals rund um Deine Mobilität

Artikelbild BeschreibungPS-Legende Wiesmann: Comeback Dank indischer Millionen3300
Artikelbild BeschreibungPS-Legende Wiesmann: Comeback Dank indischer Millionen3300
Brachiales Comeback einer PS-Legende: Wiesmann ist zurück!
Artikelbild BeschreibungPS-Legende Wiesmann: Comeback Dank indischer Millionen3300
Artikel

Brachiales Comeback einer PS-Legende: Wiesmann ist zurück!

Elegante Roadster mit satter PS-Dröhnung unter der Haube. Mit einem Wort: Wiesmann. 2014 drohte die Insolvenz. Jetzt nimmt die Legende wieder Fahrt auf

Titelbild: miranda-media.de

Im Januar 2014 schienen in der markanten Firmenzentrale der Sportwagen-Manufaktur Wiesmann die Lichter endgültig auszugehen. Gerade hatten die Gläubiger den Sanierungsplan und damit den letzten, verzweifelten Rettungsversuch platzen lassen. Damit war das weitere Schicksal der Dülmener Motorsportschmiede scheinbar besiegelt: Zwangsversteigerung, Liquidation und schließlich, als Trostpreis, ein fester Platz als Fußnote in den Geschichtsbüchern.

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Ein trauriges Ende für einen Autobauer, der sich in relativ kurzer Zeit den Status einer Legende erarbeitet hatte. 

Anzeige

Artikelbild 3302

Begeisterung schlägt Tradition

Als „Traditionsmarke“ im klassischen Wortsinn kann Wiesmann nämlich kaum bezeichnet werden: erst 1988 stellte das Brüder-Gespann Martin und Friedhelm Wiesmann ein eigenes Unternehmen auf die Beine.

Auch wenn im westfälischen Stammwerk zunächst nur Hardtops für Cabrios vom Stapel liefen, hatten die Wiesmanns ihr ultimatives Ziel stets vor Augen: den eigenen Sportwagen-Klassiker. Automobile Begeisterung lag schließlich schon in der Wiesmann-Wiege, denn bereits die Eltern der Brüder betrieben ein Autohaus in Dülmen. 

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Im Jahr 1993 konnten die Brüder mit dem MF30 ihr erstes Modell fertigstellen. Ein Erstling mit Kult-Potential: der Zweisitzer kam nämlich als klassischer Roadster daher, das obligatorische Faltdach inklusive. Die Design-Mode der jeweiligen Saison kümmerte die beiden Autobau-Neulinge schon damals wenig. Eine Konstante, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Firmengeschichte zieht. Optische Veränderungen gab es in der gesamten Firmengeschichte – wenn überhaupt – nur im Detail. Oder unter der Haube.

Auspuff eines Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Der Turbo-Oldtimer

Zeitlose Anmutung in der abgerundeten Linienführung, kombiniert mit modernster Technik – so lautete das Motto der Wiesmanns bei ihrem Erstling. Denn unter der Haube des scheinbaren Oldtimers fand sich keineswegs ein gemächlicher Motoren-Oldie von Anno Dazumal, sondern ein flotter Sechszylinder aus dem Hause BMW. Der schaffte in der Spitze ordentliche 230 km/h, der Sprint von 0 auf 100 gelang in flotten 5,9 Sekunden. 

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Zudem besetzten die westfälischen Konstrukteure eine interessante Nische: zwar lag der Einstiegspreis mit ca. 91.000€ deutlich über ähnlich bestückten Serienmodellen der großen Autobauer; die allerdings hatten keinen vergleichbaren Wow-Faktor zu bieten. Für den wiederum musste (und muss) der Autobegeisterte schon wesentlich tiefer in die Tasche greifen. 

Anzeige

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Der Wiesmann bot also eine Möglichkeit, den Lamorghini- und Ferrari-Angebern aus der wohlbetuchten Nachbarschaft munter Paroli zu bieten – und das zum regelrechten Schnäppchen-Preis. Freilich reichen die Wiesmann-Juwelen leistungsmäßig kaum an einen Hypersportwagen heran. Die Zielsetzung war allerdings sowieso immer eine andere: „Exklusiv wie ein Bugatti – alltagstauglich wie ein BMW“, so die Maxime. 

Anzeige

Lenkrad eines Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

"Grand Slam" für Wiesmann – dank Sampras und Agassi

Ein attraktives Produkt war also fraglos vorhanden. Allerdings war der Roadster aus der westfälischen Provinz nach der Fertigstellung des ersten Wagens nicht einmal Insidern bekannt. Und die zu diesem Zeitpunkt schon klamme Kriegskasse erlaubte keine klassischen Werbemaßnahmen, wie beispielsweise einen Fernsehspot.

Der Befreiungsschlag aus dieser Klemme gelang Friedhelm Wiesmann mit einem genialischen Marketing-Schachzug: beim Tennis-Turnier am Hamburger Rothenbaum parkte er seinen Boliden gut sichtbar vor dem Hotel Interconti – um dann sofort zur Stelle zu sein, sobald sich interessierte Autofreunde um sein „Baby“ scharten. 

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Als es ihm schließlich auch noch gelang, die Tennis-Granden der damaligen Zeit zur öffentlichkeitswirksamen Probefahrt zu überreden, war dem Autobauer mit dem prägnanten Gecko im Logo der Weg in die Herzen der wohlbetuchten Kundschaft geebnet.

Seitenansicht eines Wiesmann Coupés

Evolution statt Revolution

Mit dem MF3 – einer Weiterentwicklung des MF30 – sicherte sich Wiesmann endgültig einen Ehrenplatz an den Posterwänden von Jugendzimmern der 90er Jahre – gleich neben Pamela Anderson und Guns N´ Roses.

Getreu der Firmenphilosophie war der „Dreier“ eine sanfte Evolution seines Vorgängers. Das zeitlose Design blieb vollends unangetastet, während sich im Innenleben eine ganze Menge tat: dort tat nun nämlich ein S54-Sechszylinder seinen Dienst, der auch im BMW M3 zum Einsatz kam. Damit zementierten die Wiesmanns nicht nur ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Münchner Autobauer; auch die Leistung konnte so auf satte 343 PS gesteigert werden.  

Das Jahr 2003 markierte einen weiteren Meilenstein der Firmengeschichte: erstmals brachte man mit dem GT MF4 ein Coupé mit geschlossenem Dach auf den Markt, das sich auch optisch deutlich von der bisherigen Modellinie abhob. Aber das war keineswegs die einzige Innovation, die den MF4 von der Kleinserien-Konkurrenz abhob: die Karosserie bestand komplett aus glasfaserverstärktem Verbundstoff, das Chassis aus gewichtssparendem Aluminium.

Außerdem sorgte der in der „Neuzeit“ verbaute Biturbo-V8 abermals für einen kräftigen Leistungszuwachs: ab 2010 war mit 407 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 291 km/h möglich.

Frontansicht eines Wiesman GT auf der Rennstrecke

Neustart Dank „brüderlicher“ Millionen

Dass die Turbo-Erfolgsgeschichte der Sportwagen-Tüftler aus dem Münsterland nun doch kein ebenso jähes wie trauriges Ende findet, ist einem anderen autobegeisterten Brüderpaar zu verdanken: die Engländer Sahir und Roheen Berry geben in Zukunft den Ton in der Dülmener Konzernzentrale an.

Zwar verfügen die indischstämmigen Unternehmer bisher über wenig Erfahrung in der Automobilbranche; an Leidenschaft für die handgefertigten Roadster aus deutschen Landen scheint es ihnen indes nicht zu mangeln: schon vor der Wiesmann-Pleite hatten sie den Versuch unternommen, eine Händlerlizenz zu erwerben. Erklärtes Ziel: der Bau eines Rechtslenkers für den britischen Markt. 

Anzeige

Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Als neue Besitzer erhalten die Berrys nun ihre zweite Chance. Schon dieses Jahr sollen alle Modelle überarbeitet werden, 2017 sollen zwei komplett neue Boliden folgen – und natürlich wird auch der besagte Rechtslenker kommen.

So könnte die Kultmarke mit dem Gecko in naher Zukunft nicht nur ein Revival erleben, sondern sogar zu einem ungekannten Höhenflug ansetzen. Aber eins nach dem anderen. Zeit genug für eine Konsolidierung ist jedenfalls vorhanden – oder besser gesagt: ausreichend Kleingeld. Die Berrys haben zumindest bekundet, dass es ihnen auf „ein paar Millionen mehr oder weniger“ sicher nicht ankomme. 

Armaturenbrett Wiesmann MF5
Foto: miranda-media.de

Naheliegend ist in diesem Zusammenhang natürlich, den Berrys reine Liebhaberei nachzusagen – nicht zuletzt wegen ihrer mangelnden Expertise. Gerade deshalb erscheinen sie aber als die perfekten Eigner für die Sportwagen-Manufaktur: auch die Brüder Wiesmann träumten von einem PS-starken Roadster – und schreckten auch nicht davor zurück, ihn ohne nennenswerte Erfahrung selbst zu bauen. 

Artikelbild 3312

So bleibt derzeit nur gespanntes Warten, was die Zukunft für das Unikat unter den deutschen Autobauern bereithält.