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Tuner Vittorio Vacarella mit seinem Alfa Romeo 156 GTA Strandale 6c
Tuner Vittorio Vacarella mit seinem Alfa Romeo 156 GTA Strandale 6c
DRIVEN!-Fanstory: Tuner Vittorio und sein 600-PS-Mega-Alfa
Tuner Vittorio Vacarella mit seinem Alfa Romeo 156 GTA Strandale 6c
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DRIVEN!-Fanstory: Tuner Vittorio und sein 600-PS-Mega-Alfa

250 PS kann der 156 GTA von Haus aus - doch irgendwie fehlte da was. Grund genug, dem Boliden eine fette Turbo-Kur zu verordnen.

Mit drögem Mittelmaß geben sich Vittorio Vacarella und sein Kollege Frank Kegel von „Performance VI“ nicht zufrieden: Für ihr in Eigenregie angefertigtes Unikat „Alfa Romeo 156 GTA Strandale 6c“ gingen die beiden Schrauber an die Grenzen des Machbaren. Das erklärte Ziel: 600 PS und 341 km/h Spitzengeschwindigkeit!

Wie geht man ein solches Mega-Projekt an? Welche Arbeitsschritte sind nötig und wie gut muss man sich auskennen? Und nicht zuletzt: spielt der TÜV da überhaupt mit? Driven! hat nachgefragt.

Driven!: Was machst Du beruflich? Bist Du im Motorsportbereich tätig?

Vittorio: Ich war im Motorsportbereich tätig. Ich habe acht Jahre bei einer Firma gearbeitet, wo ich Motoren getunt habe. Dort habe ich dann aufgehört. Jetzt arbeite ich als KFZ­-Mechatroniker. Nebenher tune ich aber nach wie vor Motoren.

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Driven!: Wie bist Du überhaupt zum Tuning gekommen? Bekommt man die Begeisterung fürs Schrauben in die Wiege gelegt?

Vittorio: In meiner Zeit als Kfz-­Mechaniker war ich auf vielen Veranstaltungen im Motorsport­bereich unterwegs. Außerdem habe ich jedes Jahr das Formel­1­-Rennen am Hockenheimring besucht. Ich war aber auch schon als Kind ein Auto­fanatiker und habe mich für die Leistung und das Potential von schnellen Sportwagen interessiert.

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"Ich war schon immer ein Turbo­-Verrückter."

Driven!: Dein Alfa GTA ist ja Dein Aushängeschild. Was macht diesen Boliden denn so besonders?

Vittorio: Ich habe mir den GTA vor vier Jahren gekauft. Eigentlich war er damals als Alltagsfahrzeug gedacht. Der GTA hat von Haus aus schon 250 PS – allerdings als Sauger und nicht als Turbo. Beim alltäglichen Fahren fehlte mir da irgendwie etwas – ich war nämlich schon immer ein Turbo­-Verrückter und hatte schon vorher viele Autos auf Turbo umgebaut. Nach einem halben Jahr habe ich dann auch den GTA mit dem sogenannten „Stage eins“, das ich selbst gebaut habe, auf Turbo umgebaut. Damit habe ich den Wagen mit einem Turboloader auf 390 PS „hochgezüchtet“.

Damals war das Motorinnere noch Serie. Das reichte mir dann letztlich auch nicht. Im „Stage zwei“ habe ich dem GTA dann 430 PS verpasst – dazu musste dann aber auch das Innenleben verstärkt werden. Vom Schmiedekolben bis zur speziellen Zylinderkopfdichtung waren dafür Spezialanfertigungen nötig. Von der Stange gibt es solche Teile für einen GTA leider nicht zu kaufen – die muss man extra anfertigen lassen.

Der letzte Stage bedeute dann 512 PS. Dafür musste ich am Motorinnenleben nichts weiter verändern. Nur beim Turbolader waren Anpassungen notwendig. Nach einem weiteren Jahr entschied ich mich dann für den großen Komplettumbau.

"Dann hat das Auto die PS, die es haben muss: nämlich 600!"

Driven!: Wie sieht der aus?

Vittorio: Es handelt sich um einen Delta­-Integrale-­Breitbau-Look. Das sieht man natürlich sofort. Auch weil das Auto jetzt nicht mehr grau ist, sondern „Pearlrot“ mit Effektlack. Außerdem habe ich den Motor auf „Stage vier“ getunt. Jetzt ist er noch nicht abgestimmt, es ist aber alles gebaut – von der Eigenbau­-Ansaugbrücke bis zur Abgasanlage, Fächerkrümmer, Zweischeiben­-Kupplung und einem speziellen Ladeluftkühler. Das erklärte Ziel: 600 PS!

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Driven!: Ab welcher Stufe wärst Du zufrieden, sozusagen endgültig fertig?

Vittorio: Das jetzige vierte Stage ist das letzte. Dann hat das Auto die PS, die es von meiner Seite aus haben muss: nämlich 600! Ich hoffe, ich schaffe das. Die nötigen Komponenten sind jedenfalls montiert. Die 600­-PS­-Marke kann also theoretisch erreicht werden. Versprechen kann ich es aber noch nicht. Ich muss den GTA jetzt erst mal einfahren.

Weitermachen werde ich danach aber nicht mehr. 600 PS sind für so ein Fahrzeug mit Frontantrieb mehr als ausreichend. Schon mit 512 PS hatte ich leichte Traktionsprobleme. 600 PS bedeuten da schon das absolute Limit.

"Die Zeit rennt einem förmlich davon."

Driven!: Genug ist dann wohl genug. Wo hast Du die Spezialteile für Deinen GTA anfertigen lassen? Gibt es da Spezialfirmen?

Vittorio: Die gibt es! Viel habe ich von verschiedenen Firmen in Italien anfertigen lassen. Die Schmiedekolben mit meiner Wunschverdichtung kommen zum Beispiel von der Firma CPS. Für einen Turbomotor braucht man ja eine 8,0­8,5er-Verdichtung um dementsprechend Ladedruck fahren zu können.

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Einige Teile kommen aber auch aus Deutschland. Zum Beispiel habe ich mit AR RACING einige Sachen angefertigt und angepasst. Man muss sich bei solchen Sonderanfertigungen auf längere Wartezeiten einstellen: 12­-16 Wochen, 8­-12 Wochen und so weiter. Das treibt den Zeitaufwand natürlich in die Höhe. Insgesamt beschäftige ich mich mit diesem Projekt schon zweieinhalb Jahre. Außerdem sind immer wieder Anpassungen und Änderungen nötig. Die Zeit rennt einem förmlich davon (lacht).

"Bei 50.000 Euro habe ich irgendwann aufgehört, zu zählen."

Driven!: Ist so ein Tuning­-Projekt also auch ein Geduldsspiel?

Vittorio: Definitiv! Wenn man ein Projekt so weit bringen will, braucht man Geduld. Einen Vollumbau schafft man niemals in drei Monaten. Allein schon der Karosserieumbau mit den ganzen Komplikationen, die wir hatten, kostet eine Menge Zeit. Man muss sich ständig fragen: „Wie können wir ein Problem am besten lösen?“, „Welche Materialien verwenden wir?“, usw.

Das gilt natürlich besonders, wenn man Serientreue anstrebt. Es darf ja nicht einfach alles zusammengespachtelt werden – sonst fällt alles nach einem halben Jahr wieder auseinander. Das Resultat soll die Qualität eines Serienprodukts haben. Dementsprechend habe ich fast alle Teile verzinnt. Zinn ist sehr hochwertig, aber eben auch sehr teuer.

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Driven!: Da drängt sich doch die Frage auf: was hast Du denn insgesamt für den Umbau ausgegeben?

Vittorio: Bei ca. 50.000 Euro habe ich irgendwann aufgehört, zu zählen. Um die 60.000 Euro haben wir aber garantiert investiert.

Driven!: Du sprichst ja von „wir“. Seid Ihr ein Team?

Vittorio: Den Motor habe ich selbst getunt. Die Karosseriearbeiten habe natürlich nicht ich selbst übernommen. Damit habe ich einen professionellen Karosseriebauer beauftragt, den ich schon sehr lange kenne. Aber Performance VI sind zwei Personen: Vittorio Vaccarella und Frank Kegel.

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"Das Fahrzeug muss legal unterwegs sein."

Driven!: Kommen wir doch mal zum leidigen Thema „TÜV“: die Herrschaften von der Prüfstelle machen Dir keine Probleme wegen der Umbauten?

Vittorio: Der GTA wird eine ganz normale Straßenzulassung bekommen. Für bestimmte Teile muss ich natürlich die Papiere beibringen: zum Beispiel für Felgen und Fahrwerk. Und natürlich die 12-­Kolben­-K­-Sport­-Bremsanlage, die normalerweise bei Lamborghinis und Ferraris zum Einsatz kommt. Außerdem habe ich ein HLS­-KW­-V2­-Hydraulikfahrwerk verbaut – je nach Straßenlage kann ich den Wagen um 50mm absenken oder erhöhen. Einen Klappenauspuff habe ich auch noch eingebaut. Mit geschlossener Klappe ist das Auto sehr leise, mit offener aber natürlich sehr laut.

Ich habe aber alle Umbauten in der Dokumentation aufgelistet und der TÜV sollte mir, denke ich, keine größeren Komplikationen bereiten. Natürlich: wenn was nicht passt, muss es geändert werden. Das Fahrzeug muss legal unterwegs sein.

Driven!: Kommen wir nochmal zu einer unserer Lieblingsfragen bei Driven: von Null auf Hundert in? Topspeed?

Vittorio: Für den letzten Stage (600 PS) kann ich noch keine genauen Werte liefern. Mit dem Stage 3 (512 PS) hatte ich aber schon einen Topspeed von 325 Sachen und 8,9 Sekunden von 100 auf 200 km/h. Und durch den zusätzlich verlängerten fünften Gang soll der GTA jetzt 341 km/h laufen.

Driven!: Beeindruckend! Tunst Du eigentlich auch noch andere Autos?

Vittorio: Ich tune eigentlich jede Automarke. Aber überwiegend die Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia.

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"Man muss bei jedem Motor das Limit erkennen ..."

Driven!: Also überwiegend die Italiener?

Vittorio: Die liegen mir persönlich natürlich besonders. Aber ich habe letztens auch schon einen Golf 7 R eine Leistungskur verpasst oder einen Mustang auf Kompressor umgebaut. Die kann man übrigens auch auf meiner Performance VI­ Facebook­-Seite bewundern. Eigentlich tune ich quer durch die Bank alles, was Motorsport ist. Jedes Auto verlangt eigentlich fast das Gleiche von Dir: man muss schauen, wo die Schwächen des Motors sind und wo man ihn verstärken muss. Man muss bei jedem Motor das Limit erkennen, sonst leben die Umbauten nicht lange - und das darf nicht passieren.

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Driven!: Vielleicht auch noch ganz interessant für unsere Leser: spielt eigentlich die Versicherung bei solchen Modifikationen so ohne weiteres mit?

Vittorio: Natürlich wird das Auto danach in eine andere Klasse gestuft. Es gibt da recht klare Abstufungen. Ich habe zwar noch nicht genau nachgeschaut – aber das Auto wird auf jeden Fall mehr kosten, klar. Und natürlich Vollkasko – da brauchen wir gar nicht lang rummachen (lacht).

"Tuning ist scheiße – wenn man es nicht richtig macht!"

Driven!: Wir hatten bei Driven neulich einen „Tuning­-Guide“ für Anfänger. Hast Du als Profi ein paar Tipps für unsere Leser parat? Wo sollte man anfangen? Mit „FFA“ (Felgen, Fahrwerk, Auspuff)?

Vittorio: Was wir mit dem GTA gemacht haben, ist ja eigentlich schon kein Tuning mehr, sondern Motorsport. Tuning ist in der Regel, wie Du sagst, Felgen, Fahrwerk, Auspuff. Dafür zahlst Du vier­- bis fünftausend Euro und hast Dein Auto für die Optik „getunt“.

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Ich rate den Einsteigern immer: Macht es richtig, oder lasst die Finger davon. Billigere Teile führen zum Beispiel ständig zu Problemen. Am Ende fliegt Dir das Auto um die Ohren. Dann heißt es meistens: „Tuning ist scheiße!“. Und Tuning ist scheiße – wenn man es nicht richtig macht!

Driven!: Also besser erst einmal gut informieren?

Vittorio: Ja, genau! Erst einmal gut informieren, Erfahrungsberichte sammeln – es gibt ja mittlerweile Internet. Jeder hat schon einmal irgendwas probiert und Erfahrungen gemacht. So kann man sich viel Zeit und Geld sparen - und man kommt auch zum richtigen Ergebnis.

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Driven!: Zum Schluss: Wirst Du bei Deinem Projekt auch von Sponsoren unterstützt?

Vittorio: Grundsätzlich bin ich zwar nicht aktiv auf Sponsoren-Suche, habe dafür aber natürlich immer ein offenes Ohr (lacht). Wenn jemand mit uns zusammenarbeiten will und das Angebot sich gut anhört, kann er sich gerne bei mir melden.  

Mehr zu Vittrio und seinen Projekten findet Ihr auf seiner Performance-VI-Facebook-Seite.