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Elektroauto an einer Ladestation
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Das Projekt I-eMM verbindet Elektromobilität mit öffentlichem Nahverkehr
Elektroauto an einer Ladestation
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Das Projekt I-eMM verbindet Elektromobilität mit öffentlichem Nahverkehr

Junge Erwachsene verzichten in Deutschland zunehmend auf das Auto als Hauptverkehrsmittel. Im Gegensatz zu Generationen vor ihnen, sind vor allem die jungen Menschen heute gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen Mobilitätsdiensten wesentlich aufgeschlossener. Diese Erkenntnis ist ein Grundpfeiler für das Verbundprojekt „Intermodales eMobilitätsmanagement“ (I-eMM), an dem auch das Institut für Verkehrswesen (IfV) am KIT beteiligt ist. Um den modernen Pendlern und Reisenden ihre Wege zu erleichtern, versuchen die KIT-Wissenschaftler neue Mobilitätsmodelle für die nahe Zukunft zu entwickeln.

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„Die Intermodalität der Menschen nimmt zu, also die Bereitschaft, verschiedene Verkehrsmittel auf einem Weg zu nutzen. Deshalb ist unser Blickpunkt bei der Entwicklung neuer Konzepte auf die Etappe zwischen dem Start, etwa von zu Hause bis zum Erreichen eines öffentlichen Verkehrsmittels gerichtet.“ Denn, so erklärt Dr. Martin Kagerbauer, vor allem am Rande der Ballungsräume und im ländlichen Raum gestaltet sich gerade dieser Weg oft schwierig. Kagerbauer ist Projektleiter des Teams am IfV. Gefördert wird das Projekt I-eMM vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über drei Jahre im Spitzencluster „Elektromobilität Süd-West“ mit insgesamt 1,67 Millionen  Euro. Als Forschungsbereich dient die Region Rhein-Neckar. Anhand der dort erhobenen Daten soll ein ganzheitliches Lösungskonzept für die Verknüpfung von eMobilitätsangeboten mit dem öffentlichen Nahverkehr erstellt werden. Das FZI Forschungszentrum Informatik, das KIT mit dem Institut für Verkehrswesen und dem Institut für Produktentwicklung (IPEK) bringen neueste wissenschaftliche Aspekte mit ein. Aus der Industrie engagieren sich die Softwareanbieter PTV Group, raumobil und RA Consulting. Als Praxispartner stehen aus dem ÖPNV die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH und als Car-Sharing-Anbieter die Stadtmobil Rhein-Neckar AG zur Verfügung.

Gemeinsam geforscht wird bereits seit November 2012. Derzeit arbeitet das Team des IfV daran, ein realitätsnahes Verkehrsmodell zu erstellen. „Wir haben im vergangenen Herbst Befragungen durchgeführt und die einzelnen Wege einer repräsentativen Auswahl an Einwohnern aus den Gemeinden Mannheim, Viernheim, Ilvesheim und Heddesheim abgefragt. Das ist neu, denn bisher fokussierten sich die Erhebungen auf die Wege in Bezug auf die genutzten Hauptverkehrsmittel. Jetzt wollen wir alle Etappen und alle genutzten Verkehrsmittel erfahren“, erklärt der Ingenieur für Verkehrsplanung. Im Anschluss daran wird ein Modell erstellt, mit dem getestet wird, wie neue eMobilitätsdienste eingebaut werden können, ob sie genutzt werden und ob sie sich lohnen. Dazu bekamen die Befragten verschiedene elektrisch betriebene Fahrzeuge vorgestellt. Darunter langsamere Verkehrsmittel wie ein Pedelec und Segway, ein mittelschnelles wie ein eScooter und auch ein kleines Elektroauto. „Wir sind mit den Nachfragemodellen jetzt in der Lage, abbilden zu können, wo es sich lohnen würde, neue Konzepte anzubieten, also Stationen mit entsprechenden Fahrzeugen aufzustellen“, so Kagerbauer über den Stand des Projekts.

 eFahrzeug-Solarmobil Karlsruhe e.V.
eFahrzeug-Solarmobil Karlsruhe e.V.

Nachdem die Nachfrage- und Angebotssituation vom IfV geklärt wurde, sollen neue Geschäftsmodelle entstehen. Geklärt wird, welche und wie viele Fahrzeuge an den Stationen bereitgestellt sein müssten. Auch muss der Betreiber wissen, wo Fahrzeuge stehen und wie ihr Ladezustand ist. Ebenso ist eine Integration in die Verkehrsleitzentralen Teil einer Projektarbeit. Am Ende sollen Kunden genau via mobile Apps oder dem Internet darüber informiert werden, wo und welches Fahrzeug sie nutzen können. „Der Idealfall sieht so aus: Hans Mustermann will von zu Hause nach Mannheim in die Innenstadt zu seiner Arbeitsstelle fahren. Bisher fuhr er mit dem Auto, da keine sinnvollen Optionen vorhanden waren. Jetzt schaut er auf seine App oder im Internet nach und kann in der Nähe der Wohnung verschiedene verfügbare Elektromobilitätsfahrzeuge stehen sehen. Er bucht beispielsweise ein Pedelec oder einen eScooter am PC oder per Handy und fährt zur Haltestelle und schließlich mit dem ÖV zur Arbeit“, meint Kagerbauer. Auch die Abrechnungsmöglichkeiten werden im Rahmen des Projekts bedacht sein. Ein Projektteam am FZI prüft Möglichkeiten, bei dem der Kunde den ÖPNV und das Sharingfahrzeug nicht getrennt bezahlen muss. Nur ein Anbieter soll eine Rechnung an den Nutzer verschicken.

Ein zweiter betreiberübergreifender Schwerpunkt des Verbundprojekts ist die betriebliche Integration von Echtzeitdaten aus Elektrofahrzeug- und ÖPNV-Betrieb. Hierfür werden von den Partnern passende Schnittstellen für den Austausch von Echtzeitdaten zwischen eFahrzeug, eFlottenbetreiber und ÖPNV-Leitstelle konzipiert. Damit sollen Informationsdienste in der Region verbessert und die Attraktivität von Elektromobilitätslösungen gesteigert werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts für das intermodale eMobilitätsmanagement sollen im August 2015 vorliegen.