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Das Gehirn als Maschine
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Future Mobility: Lenken mit der Kraft des Geistesblitzes
Das Gehirn als Maschine
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Future Mobility: Lenken mit der Kraft des Geistesblitzes

Selbstfahrende Autos sind die Zukunft. Oder doch nicht? Chinesische Forscher wollen das Autofahren lieber zum Denksport machen

Über das „Auto der Zukunft“ wird derzeit viel gesprochen und noch mehr geschrieben. Klar scheint jedenfalls – wer sich ernsthaft mit diesem Thema befassen will, der kommt an Apple und Google nicht vorbei.

Siri auf dem iPhone
Siri hat bald auch den Führerschein

Die beiden US-Giganten arbeiten mit Macht und enormem finanziellen Aufwand am Auto von morgen. Natürlich sind die Silicon-Valley-Multis um Superlative nie verlegen. Auch dem Automobilmarkt steht – geht es nach ihnen – eine Revolution unmittelbar bevor. Wie diese im Detail aussehen soll, ist derzeit noch ungewiss. Eins scheint aber sicher: im Straßenverkehr der Zukunft kommt dem „Fahrer“ allenfalls noch die Rolle des Stichwortgebers zu. Er darf höchstens noch das Ziel der Reise vorgeben – Siri macht dann den Rest. 

Fahrvergnügen?

Praktisch ist so ein selbstfahrendes Auto zweifellos; dass dabei allerdings so etwas wie Fahrspaß aufkommt, muss trotz aller Zukunftsbegeisterung bezweifelt werden. Denn die "Freude am Fahren" entsteht bekanntlich, nun, eben beim Fahren. 

Artikelbild 1980
Das Google-Car fährt sicherheitshalber lieber selbst / flickr.com, Travis Wise
Bild eines vernetzten Gehirns
Das Gehirn als vernetzte Schaltzentrale der Zukunft

Per Headset zur "Macht"!

Das Lenkrad scheint jedenfalls demnächst ins Museum zu wandern. Begraben muss man die Hoffnung auf eine aktive Verkehrsteilnahme deshalb aber noch nicht. Chinesische Forscher verstehen den Begriff der „direkten Steuerung“ sogar ganz wortwörtlich und verlagern sie kurzerhand in die eigentliche Schaltzentrale: ins Gehirn.

Noch besser: man muss offenbar kein Medium sein, um sein Fahrzeug mit reiner Gedankenkraft zu lenken. Ein Headset mit 16 Sensoren genügt vollauf, um dem PKW die gewünschte Richtung und Beschleunigung zu übermitteln – womit das chinesische Brainmobil wohl auch gleich das gute alte Gaspedal in Rente schickt.

Mit Esoterik hat die Methode tatsächlich wenig zu tun: die Sensoren fangen die sogenannten „EEG-Signale“ des Gehirns auf und übermitteln sie an den Bordcomputer. Dort werden sie dann in Befehle an das Auto übersetzt.

Projektleiter Duan Feng von der Universität Tianjin sieht seine Neuentwicklung als die nächste Stufe einer logischen Entwicklung: Technologie soll dem Menschen das Leben erleichtern. Da erscheint es nur naheliegend, dass sich die Gebrauchsgegenstände auch in das Gefühlsleben ihrer „Herren“ einfühlen. Da wäre man fast wieder bei den altbekannten Superlativen.

Volle Konzentration!

Denn ganz ohne Tücken ist das Lenken mit der Denkerstirn offenbar nicht: die Forscher selbst räumen beispielsweise ein, dass für eine reibungslose Befehlsübermittlung ein gerüttelt Maß an Konzentration erforderlich ist.

Darstellung eines Gehirns
Selten denkt man nur an eine Sache gleichzeitig

Ob sich das mit dem an Ablenkungen nicht gerade armen Stadtverkehr verträgt, darf zumindest bezweifelt werden. Zumal für die Klärung der Schuldfrage bei einem Auffahrunfall wegen „intellektueller Fehlleistung“ wohl noch einige neue Gesetze vonnöten wären.

Wobei die chinesische Studie von der Serienreife ohnehin noch weit entfernt ist: momentan lässt sich der Wagen „gedanklich“ nur vorwärts und im Rückwärtsgang bewegen, Kurven sind derzeit noch Zukunftsmusik. Wenig praktisch, wenn man nicht gerade auf dem platten Land zu Hause ist.

Es lohnt in jedem Fall, den Geistesblitz der chinesischen Forschergruppe weiterhin im Auge zu behalten. Auch wenn es bis zum ersten Formel-Eins-Rennen der Schachgroßmeister vermutlich noch ein Weilchen dauert.