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Frontansicht eines Quant F
Frontansicht eines Quant F
Elektromobilität konkret: 1000 PS aus flüssigem Strom?
Frontansicht eines Quant F
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Elektromobilität konkret: 1000 PS aus flüssigem Strom?

Selfmade-Physiker Nunzio La Veccia will die Elektromobilität im Handstreich revolutionieren. Geniestreich oder PR-Gag?

Ohne weitere Umschweife gleich zum Wesentlichen. Das kann der Quant angeblich:

  • 1090 PS bei 802 kW
  • 300 km/h in der Spitze
  • von 0 auf 100 in 2,8 Sekunden. 
Heckansicht eines Quant F

Dazu kommt noch eine schier unglaubliche Reichweite von 800 Kilometern. Werte, die mehr als ausreichen, um dem Stromer aus Liechtenstein einen Platz im Olymp der elektrischen Hypercars zu sichern. Wobei der Quant gar kein reiner Sportler sein will. Mit seinen 5,25 Metern Länge bietet er mehr als genug Platz für vier Mitfahrer. Er ist also eher eine „Sportlimousine“. 

Wer allerdings hinter das wahre Geheimnis des Quant F kommen will, der sollte sich nicht zu lange mit den nackten Zahlen aufhalten. Die große Besonderheit schlummert nämlich in einer Zelle. Keine Angst: ein Biologiestudium ist hierfür nicht nötig. Denn Quant-Chefingenieur und Impresario Nunzio La Vecchia will nicht nur einen elektrischen Superboliden bauen, sondern gleich die ganze Elektromobilität revolutionieren. Der „F“ wird nämlich nicht von der sonst gängigen Lithium-Ionen-Batterie angetrieben. Er tankt stattdessen „flüssigen Strom“.

Seitenansicht eines Quant F
Schaubild zur Funktionsweise des Antriebs eines Quant F

Der Antrieb: alles im Fluss

Das klingt zunächst nach Science-Fiction. Dabei ist die Flowcell-Technologie gar nicht so neu; sie wurde schon 1976 für die NASA entwickelt. La Vecchia bringt sie jetzt von der Rakete in den Stromer. Entscheidender Vorteil: die Flowcell kann Energie ohne den, bei herkömmlichen Akkus üblichen, Verschleiß speichern – in flüssiger Form.

Die zwei Tanks des Quant F werden nämlich mit zwei unterschiedlich geladenen, ionischen Flüssigkeiten befüllt. Diese werden durch die Zelle gepumpt und setzen so Energie frei – und zwar beeindruckende 120 kWh bei 200 Litern Tankvolumen. Die Energiedichte liegt bei 600 Wh/L – dem Sechsfachen einer gängigen Lithium-Ionen-Zelle.

Wenn die Tankflüssigkeit verbraucht ist, verdampft sie einfach – und das völlig schadstofffrei. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass La Vecchia mit seiner Flüssigzelle einen „Traum der Menschheit“ verwirklicht sieht: die verlustfreie Speicherung von Energie. Und vielleicht nebenher sogar den Sieg über die leidigen Gesetze der Physik. 

Nunzio La Veccia vor einem Quant E
Nunzio La Vecchia - eine Art Flüssigstrom-Elvis
Frontansicht eines Quant F

Ein Genie steht über der Kritik

Genau diese Superlative mögen für so mach einen nur zu spektakulär klingen. Es gilt nachzufragen. Das Fraunhofer-Institut traut den Flusszellen beispielsweise allenfalls eine Leistung von 20 bis 30 Kilowatt zu. Das reicht dann vielleicht für einen Rasenmäher, aber nicht für die versprochenen 1000 PS.

La Vecchia scheinen derartige Erbsenzählereien indes kaum zu beeindrucken. Er verweist auf das Vorgängermodell Quant E, das bereits über eine Straßenzulassung vom TÜV Saarland verfügt. Was natürlich noch nichts darüber aussagt, wie weit der Quant wirklich kommt. Ohnehin scheint es der „Physiker und Autodidakt“ gewohnt zu sein, seine Kritiker allenfalls im Rückspiegel zu betrachten.

Seine Vita zeugt jedenfalls von einem wahrhaften Tausendsassa: so genügte ihm offenbar ein vierjähriges Selbststudium, um die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben, die Elektromobilität in „neue Dimensionen“ zu führen. Außerdem trat er auch schon als Interpret gefühlvoller Pop-Balladen in Erscheinung. 

Reifen eines Quant F
Ein Quant F aus der Vogelperspektive

Technologie: tanken wie anno dazumal

Ob sämtliche Fachmedien bald ein Loblied auf den Quant F singen werden, hängt also letztlich stark davon ab, ob die angegebenen Zahlen auch den Tatsachen entsprechen. Mit „harten“ Fakten hält sich La Vecchias Autoschmiede derzeit nämlich noch zurück. Der Schweizer selbst sieht seinen Stromer aber trotzdem kurz vor der Serienreife.

Ganz abgesehen von der Frage nach der Realisierbarkeit sind die Möglichkeiten der Flowcell-Technologie für die eMobility natürlich verlockend: die ionische Flüssigkeit kann nach alter Väter Sitte mit der Zapfpistole nachgetankt werden – und das auch noch an der gewohnten Tankstelle um die Ecke.

Es könnte also die bestehende Infrastruktur genutzt werden – ein klarer Vorteil. Außerdem müsste man für eine Tankfüllung wohl nicht allzu tief in die Tasche greifen – die Flüssigkeit wird aus gängigen, leicht zu beschaffenden Bestandteilen gewonnen.  

Fahrerkabine eines Quant F

Das Design: Concept und Edelholz

Bei all der Aufregung um den Antrieb – der Quant F verdient auch als Concept Car durchaus Beachtung. Eine interessante Innovation ist beispielsweise der optionale Heckantrieb. Während nämlich im Normalfall vier Elektromotoren für einen Allradantrieb sorgen, kann die Vorderachse „ausgekuppelt“ werden. Davon erhofft sich La Vecchia bessere Beschleunigungswerte, als sie mit dem 4x4-Antrieb möglich wären.

Rückansicht eines Quant F

Überhaupt kommt der Quant F, trotz seines „Limousinen-Understatements“, optisch eher wie ein reinrassiger Sportler daher. Die Flügeltüren und das auf Aerodynamik getrimmte Design unterstreichen die martialische Formensprache. Der Heckflügel verfügt über ein Zweistufensystem, das sich bei Geschwindigkeiten jenseits der 80 km/h selbstständig zuschaltet. So soll im Ernstfall für die Extraportion Grip gesorgt werden. Die Frage nach dem Werkstoff stellt sich eigentlich nicht ernsthaft –der Quant setzt natürlich auf das inzwischen fast obligatorische Carbon.

Selbst bei den Frontlichtern lässt La Vecchia Liebe zum Detail erkennen: die Leuchten projizierten ein „Q“ wie „Quant“ nach vorne. Auch auf der Autobahn ein klares Statement, wer sich da im Rückspiegel nähert – so kann man rechtzeitig die Überholspur räumen.

Im Innenraum dominiert in schwungvoller Linienführung aufgetragenes Eschenholz. Die Bedienelemente werden erst nach dem Einschalten sichtbar. Insgesamt scheint man sich an der Richtlinie „Klarheit vor Schnörkel“ zu orientieren. Es fehlt eigentlich nur noch die Mini-Bar. Für Puristen interessant ist sicherlich auch noch ein Drehmomentmesser, der alle vier Elektromotoren abbildet. 

Detailansicht eines Scheinwerfers des Quant F

Die Welt ist nicht genug

An Nunzio La Vecchia selbst scheiden sich dagegen die Geister – ist er ein Elektromobilitäts-Messias, oder doch eher ein Schaumschläger? Um das zu klären müsste er Belege liefern, die nicht aus der eigenen PR-Abteilung stammen. Experten melden jedenfalls ernsthafte Zweifel am Realitätsgehalt seiner Aussagen an. 

Seitenansicht eines Quant F

Außerdem gab es da ja noch diese Episode mit Koenigsegg: schon 2009 wollte La Vecchia eine „Dünnfilm-Solarzelle“ erdacht haben, die für ähnlich märchenhafte Beschleunigungswerte und Reichweiten sorgen sollte, wie heute die Flüssigzelle. Danach kam allerdings nicht mehr allzu viel. Die Schweden zogen sich heimlich, still und leise aus der Kooperation zurück. La Vecchia indes erfand dann stattdessen offenbar die nanoFlowcell – und ist jetzt bereit für den ganz großen Wurf.

Der Maestro hat nämlich die nächsten Schritte zur Eroberung des Weltmarktes schon fest im Blick: vom Börsengang bis zum Einsatz seiner Technologie in so ziemlich jedem Bereich der Mobilität ist für ihn nichts undenkbar.

Seitenansicht eines Quantino
Detailansicht des Markenschriftzugs eines Quantinos

Ein kleiner Quant für die Massen

Außerdem hat er mit dem „QUANTiNO“ – dem „kleinen Bruder des „F“ – sogar noch ein weiteres Ass im Ärmel. Die Devise lautet hier klar und deutlich: auch die breite Masse braucht ihre Dosis Quant!

Mit seinen 136 PS ist der mit einem Niedervoltantrieb ausgestattete Kompakt-Stromer dann auch etwas moderater konzipiert. Immerhin: bis zu 200 km/h soll auch der kleine Flitzer noch schaffen und dabei sogar bis zu 1.000 Kilometer weit kommen. Auch beim Design lässt sich La Vecchia auf keine Kleinwagen-Kompromisse ein – sein kleines Modell soll den Kunden durch Extravaganz und Windschnittigkeit überzeugen.

Rückansicht eines Quantino

Es bleibt die Frage, wann man sich selbst von den Qualitäten der Quants überzeugen kann. Die Antwort lautet offenbar: sehr bald! Glaubt man dem flamboyanten Universalgenie, steht die Straßenzulassung unmittelbar vor der Tür. „Wir werden in 2015 mit dem QUANTiNO fahren“, gab er bereits beim Genfer Autosalon im März zu Protokoll.

Dafür wird die Zeit inzwischen zwar etwas knapp, aber wer weiß: vielleicht straft Nunzio La Vecchia seine Kritiker auch Lügen. Dann findet der ein oder andere möglicherweise sogar einen Quant unterm Weihnachtsbaum.

Das wäre dann wahrlich quant-tastisch.