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Elektromobilität: FFZERO1 – Ein Phrasendrescher mit 1.000 PS
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Elektromobilität: FFZERO1 – Ein Phrasendrescher mit 1.000 PS

Faraday Future will die Welt verändern. Vorerst bleibt man aber beim Sprücheklopfen. Für mehr eignet sich ihr Konzeptauto nämlich nicht.

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Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentierte Faraday Future ein rein elektrisches Superauto mit über 1.000 PS – und keiner ist glücklich.

Woran könnte das liegen? Elektroautos mag doch eigentlich jeder (auch wenn sie kaum einer kauft). Aber der FFZEOR1 sieht nun einmal aus, als habe sich das Batmobil an einem Skateboard vergangen. Aber das ist nicht der Punkt, denn über Geschmack und Design lässt sich ja immer streiten. Das Problem des FFZERO1 liegt woanders: er ist albern.

Am deutlichsten wird dies vielleicht am Helm, der gleich mitkonstruiert wurde. Über ihn kann dem Fahrer Wasser und Sauerstoff zugeführt werden. Bei Langstreckenrennen im Hamalaya-Gebirge ist sowas natürlich eine schöne Sache. Im normalen Straßenverkehr ist tun es aber sicher auch ein Becherhalter und ein Gebläse.

1.000 PS – aber noch keinen Meter gefahren

Es gibt sogar Zweifel daran, ob der FFZERO1 überhaupt ein Automobil im engeren Sinne ist. Dazu müsste er sich nämlich aus eigener Kraft fortbewegen können, was er bislang allerdings vermieden hat.

Auf einem Video von Faraday Future (FF) fährt er natürlich. Aber es gibt bekanntlich auch Videos von George Lukas – und in denen fliegen sogar Todessterne.

Beeindruckende Werte

Die Leistungsdaten, die Faraday Future über ihn herausgibt, sind ebenfalls spärlich: 1.000 PS, in weniger als 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und mehr als 325 km/h Topspeed.

Das klingt allerdings weniger nach gemessenen Werten, als nach einer sehr schwammigen Definition des Worts „Supersportwagen“. Im Interview mit Techcrunch gesteht FF-Frontmann Nick Sampson dann auch ein, dass diese Werte lediglich auf einer Hochrechnung basieren.

Autobauer träumen gerne

Dass Hersteller phantasievolle Studien für Messen produzieren, ist im Prinzip nicht neu. Die großen Autobauer machen das sogar höchst regelmäßig. Mercedes zum Beispiel hat auf der CES 2015 den F 015 Luxury in Motion ausgestellt – ein Auto, das so konsequent für das autonome Fahren konzipiert ist, dass sich der Fahrersitz nach hinten drehen lässt.

Bis der Fahrer aber während der Fahrt mit dem Lenkrad im Rücken Meetings leiten kann, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Daher war dieser Benz von der Wirklichkeit mindestens genauso weit entfernt wie der FFZERO1.

Milliardenschwere Großoffensive

Die Konzeptautos sollen vor allem Ausblicke geben – auf das, was die Erbauer in Zukunft vorhaben. Und genau das kann der FFZERO1 eben nicht. Denn Im Vorfeld hatte die FF-Truppe großspurig angekündigt, man wolle Tesla Konkurrenz machen und den gesamten Automobilmarkt umkrempeln.

Das wurde Faraday Future auch tatsächlich zugetraut, schließlich hatte der chinesische Milliardär Jia Yueting die Jungs mit einer Milliarde US$ ausgestattet und der Staat Nevada will über die nächsten 20 Jahre 335 Millionen $ an Fördergeldern und Steuervergünstigungen fließen lassen, da man sich bei der Auswahl des Produktionsortes für den Wüstenstaat entschieden hatte.

4.500 Arbeitsplätze sind geplant, einige davon bereits besetzt. Die Maxime, FF sei wie Tesla, nur noch innovativer und noch schneller, klang also durchaus glaubhaft.

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Große Erwartungen 

Als bekannt wurde, dass FF ein Auto auf der CES vorstellen würde waren die Erwartungen hoch.

Auf welchem Modell würde die FF die erste Attacke der angekündigten Großoffensive auf den Rest der Autoindustrie denn nun reiten? Ein günstiger Kompaktwagen für die Massen? Ein Premiumeinstieg à la Tesla, mit Limousine und SUV? Vielleicht aber auch ein Sportwagen, schließlich war Tesla einst auch mit einem Roadster gestartet.

Zu sehen war dann aber der FFZERO1, dessen Blaupausen auch noch kurz vor der Präsentation „geleakt“ wurden – ein Marketingtrick, den Apple bereits bis an die Schmerzgrenze hin ausgereizt hat. Und dieser Wagen beantwortet nun wirklich keine einzige Frage.

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Denn selbst wenn er fahrtüchtig wäre: Der Einsitzer mit Pickelhaube würde sich sicher erst ab einem Verkaufspreis von mehreren 100.000 rechnen. Damit wäre die FF Kundschaft auf Ölscheichs, Oligarchen und sonstige Milliardäre beschränkt.

Das will man natürlich nicht, schließlich ist man ja angetreten, um die Welt zu verändern. Wie das gehen soll, kann man dem FFZERO1 allerdings nicht entlocken.

 

Der FFZERO1 bringt niemanden weiter

Das Erfolgsgeheimnis von FF soll ein Baukastensystem werden: Eine standardisierte Bodenplatte aus Fahrwerk und Batterien soll bei allen Modellen zum Einsatz kommen. Bei Kompaktautos kommen einfach weniger Batterie-Riegel zum Einsatz, bei langen Limousinen entsprechend mehr.

Diese immer gleiche Basis soll routinemäßig mit einem, zwei oder 3 Motoren bestückbar sein, je nachdem, wie viel Leistung man braucht und ob man Allrad-Antrieb will oder nicht. Das System klingt durchdacht, aber der FFZERO1 wäre bislang das einzige Auto, an dem man es präsentieren könnte – aber der hat ja angeblich 4 Motoren.

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Keine Ideen für ein Serienauto

Genau hier liegt das Dilemma: Faraday Future will ein perfektes System von Konfektionsgrößen präsentieren – und tut das mit einer maßgeschneiderten Spezialanfertigung. Absolut nichts am FFZERO1 scheint großserientauglich: die Pickelhaube ist es sicher nicht und der um 45 Grad geneigte Sitz (angeblich ein Geheimrezept aus der Raumfahrt) ist ganz sicher auch nicht „familientauglich“.

Einzig die Handy-Halterung im Lenkrad könnte eventuell eine pfiffige Idee sein.

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Lizenz zum Phrasendreschen

Angeblich verfügt der FFZERO1 wohl auch über die notwendingen Grundvoraussetzungen, um autonom fahren zu können. Aber was bedeutet das bei einem Auto, das allem Anschein nach noch nicht einmal mit Fahrer fährt?

Außerdem verfügt er über eine "UFO-Line" - damit ist der Luftkanal gemeint, die zwischen den Rädern und dem Cockpit verläuft. Sie soll die Batterie kühlen und so Leistung und Reichweite verbessern. Daher wird sie angeblich auch das Markenzeichen aller zukünftigen FF-Modelle sein. In einen Einsitzer lässt sich so ein Schacht auch einfach einziehen. Die Kunst beginnt wohl erst, wenn man dabei auch noch 5 Passagieren Platz bieten muss. 

Darüber hinaus ist er wohl auch kein "Concept Car", sondern ein "Car of Concepts". Das helle Weiß im Innenraum symbolisiert laut FF die Unschuld der Elektromobilität. Der Liegesitz lässt den Fahrer angeblich kaum noch Erdanziehungskräfte spüren. Und so lassen sich nahezu unendlich viele schöne Gedanken anhand des FFZERO1 durchexerzieren.

Allerdings wird man dabei das Gefühl nicht los, der Wagen sei hauptsächlich eine bunte Nebelkerze, die von den wirklich wichtigen Fragen ablenken soll. Wann will FF ein Serienmodell ausliefern? Wie soll es aussehen? Was wird es kosten? Plant man eine eigene Ladeinfrastruktur? Alle Angaben, die FF-Vertreter zu diesen Themen machen, blieben eindeutig schwammig. Vielleicht haben sie gehofft, dass das keinem auffällt, wenn man gleichzeitig ein 1.000 PS Supercar aus dem Ärmel zaubert. Ein Blick auf die Medien-Reaktionen zeigt aber deutlich, dass dieses Kalkül nicht aufging.

 

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