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Der Endzeit BMWi8 mit Brennstoffzelle
Der Endzeit BMWi8 mit Brennstoffzelle
Innovation Days 2015: BMW präsentiert den Endzeit i8
Der Endzeit BMWi8 mit Brennstoffzelle
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Innovation Days 2015: BMW präsentiert den Endzeit i8

BMW hat eine Brennstoffzelle vorgestellt. Das Design macht was her – technisch sieht es für die Studie aber düster aus.

BMWi8 in blau mit geöffneten Flügeltüren und Hybridantrieb

Das spektakulärste, was BMW bei seinen "Innovation Days 2015" im sonnigen Südfrankreich präsentiert, ist sicher ein Brennstoffzellen-Prototyp auf der Basis des i8. Schon der Serien-i8 ist ja mit allem ausgestattet, was unsere Zeit mit dem Thema „Zukunft“ verbindet. Neben Hybridantrieb und CFK-Karosserie gilt das vor allem für die Optik: Die fluoreszierenden Farben erwecken den Eindruck, das Auto würde leuchten wie ein Jedi-Schwert. Und auf Wunsch kann der i8 sogar mit einem Laserlicht geliefert werden.

Aber während der „normale“ i8 eine blitzsaubere „Raumschiff-Enterprise-Zukunft“ auf den Asphalt malt, hat sein Vetter mit der Brennstoffzelle eher eine Endzeitvision vor Augen: mattschwarze Lackierung, unendlich viele Lufteinlässe – alles in allem wirkt das wie eine Kreuzung zwischen einem Stealth-Bomber und Mad Max´ens berühmtem Dienstwagen.

BMWi8 als Erlkönig mit Brennstoffzelle

Dieser Gegensatz könnte auch passender kaum sein, denn während der Hybrid auf dem besten Weg ist, sich zum BMW Standard-Antrieb zu entwickeln, sieht der Wasserstoff einer ungewissen Zukunft entgegen. Seit über 30 Jahren forscht man in München nun an diesem Antrieb. Einen reichlich glanzlosen Höhepunkt erreichte man schließlich 2006 mit dem „Hydrogen 7“. Er wurde als „0 -Liter –Auto“ angepriesen. Spiegel  Online rechnete jedoch aus,  dass er indirekt genau so viel Emission generierte, wie ein Dieselmotor mit 20 Litern Verbrauch auf 100 Kilometern – und das zu horrenden Kosten.

BMWi8 in schwarz mit Brennstoffzellenantrieb

Hinzu kamen noch einige Nebeneffekte aus dem Bereich „fun facts“: Wenn man das Auto ein paar Tage nicht bewegte verdunstete ca. die Hälfte(!) des getankten Wasserstoffs, aus dem 12-Zylinder-Motor gewann es gerade mal 260 PS (und damit 185 weniger als der „normale“ Siebener) und das Kofferraumvolumen war von 500 auf 250 Liter reduziert .

Einhundert Hydrogen 7 wurden damals gebaut und anschließend werbewirksam für 3 Jahre an ausgewählte Promis wie Guido Westerwelle, Plácido Domingo und Roland Berger abgegeben –  was danach aus ihnen wurde, ist nicht mehr überliefert.

 

Allerdings hatte der „Hydrogen 7“ auch einen mit Wasserstoff betriebenen Verbrennungsmotor – was schon zu seiner Zeit als ziemlich eigenwillige Idee galt. Die meisten anderen Autobauer setzen dagegen schon länger auf die sogenannte „Brennstoffzelle“. Dieser Antrieb verbrennt den Wasserstoff nicht, sondern macht daraus elektrische Energie, die dann einen Elektromotor antreibt. Auf diesem Konzept basieren nun auch die schwarze Test-Flunder und die zweite Münchner Wasserstoff-Studie, die auf einem 5er GT basiert – und lange nicht so spektakulär aussieht. Diese Prototypen, die bei den „Innovation Days“ nun ihre Kreise zogen, sind aber keine „waschechten“ Bayern, sondern das Ergebnis einer Kooperation mit dem japanischen Autobauer Toyota.

BMWi8 in Silber mit Hybridantrieb
Brennstoffzelle für den BMWi8

Brennstoffzellen – die neuerdings auch gerne als „fuel cells“ bezeichnet werden, sind im Prinzip also ein Elektroauto, das man nicht übers Stromnetz laden muss. Damit entfällt der langwierige Ladevorgang – der selbst bei den Schnellladestationen ca. noch eine halbe dauert – und man gewinnt Reichweite, da der Wasserstoff – samt Umwandlungsapparatur – leichter ist als ein Batterie Akku, und man daher  entsprechend mehr Energie mitnehmen kann.

 

Ganz so „leicht“ wie es klingt ist der Wasserstoff-Transport dann allerdings wiederum auch nicht, denn das Gas verflüchtigt sich bekanntlich schnell. Daher muss es unter Druck gesetzt und/oder auf extrem niedrige Temparaturen gekühlt werden. Um es dann in diesem Zustand zu halten, ist denn auch ein Tank von der Größe eines U-Boot Torpedos von Nöten. Damit kommt der umgebaute 5er GT dann auf eine Reichweite von 500km. Wie es danach dann weitergehen soll, ist hingegen ungewiss: Als Daimler 2011 zwei Brennstoffzellen-Autos rund um die Welt fahren ließ, gab es auf der Strecke zwischen dem Flughafen Berlin und einer Zapfssäule im Großraum Los Angeles noch keine einzige potenzielle Zwischenstation. Daher schickte Mercedes schickte auch gleich noch ein paar Tankwagen mit auf die Reise. Inzwischen soll es in Deutschland schon 50 Wasserstoff-Tankstellen geben – von einer Alltagstauglichkeit ist man damit aber immer noch recht weit entfernt.

Ein Mann betankt einen BMWi8 mit Hydrogenantrieb

Falls sich nun aber die Gerüchte bewahrheiten, dass Nissan auf dem besten Weg ist, eine Batterie mit einer Reichweite von über 400 km zu bauen, schmelzen die Vorteile der Brennstoffzellen-Technik aber: Die Gewinnung von Wasserstoff könnte zwar rein theoretisch klimaneutral durch den Einsatz von grünen Strom erfolgen – de facto läuft dies bisher aber fast ausschließlich fossil. Und während Elektro- und Hybridautos mit dem Nachteil ihrer hohen Anschaffungskosten zu kämpfen haben, lassen sich diese bei der „fuel cell“ mangels serienreifer Modelle noch nicht einmal beziffern. Da schon die Tanks ein Stück Raketenwissenschaft sind, wären konkurrenzfähige Preise aber eher eine Überraschung. Und die Zeitersparnis beim Boxenstopp ist mangels Tankstellen wohl auch kein stichhaltiges Argument.  

BMWi8 mit Brennstoffzelle in schwarz

Auch in Sachen Performance kann der Zell-i8 nicht überzeugen: 245 PS, 6 Sekunden von 0 auf 100 und ca. 230 km/h Spitze und 250 km Reichweite – all das kann der Hybrid-Vetter besser: 362 PS, 4,4, Sekunden von 0 auf 100, und die Spitzengeschwindigkeit muss bei 250 km/h sogar abgeriegelt werden und allein mit dem Benzintank kommt er schon über 300 km weit. Und auch wenn der für BMW gerüchteweise ein Verlustgechäft ist, wird doch weiter daran geforscht – erst Ende Juni überließ man etwa der Nanyang Universität in Singapore einen i8 und einen i3 zu Forschungszwecken.

BMWi8 mit geöffneten Flügeltüren in silber mit Brennstoffzelle

Ist es also an der Zeit, den Wasserstoff in Sachen Mobilität für tot zu erklären? Für alle Zeit wäre das natürlich etwas verwegen. Man erinnere sich: auch am Elektroauto versucht man sich schon seit über hundert Jahren – und erst in den letzten 10 davon trudelten so langsam mal ein paar Erfolgsmeldungen ein.  Allerdings lassen auch die BMW „Innovation Days“ nicht darauf schließen, dass ein Durchbruch unmittelbar bevor steht – die Serienreife der dortigen Autos wird vorerst auf 2020 datiert. Aber auch wenn technisch, finanziell und in puncto Praxis noch einige Fragen offen sind: mit dem Design hat BMW wohl schon einen Nerv getroffen. Und apropos Design: der erste „Mad Max“ war zwar schon ein „Endzeitfilm“, aber danach war noch lange nicht aller Tage Abend: dieses Jahr kam bereits die dritte Fortsetzung ins Kino. Manchmal leben totgesagte eben länger ...

BMWi8 schwarz mit Brennstoffzelle von hinten