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Ein Audi Q7 nach einem Tuning von Abt.
Artikel

Fahrbericht Abt-Audi QS7

Zu viel des Bösen ist wundervoll!

Beim Tuning fühlt sich Abt zu Qualität & Stil verpflichtet. Mit dem QS7 will man wohl testen, wo die Grenzen des guten Geschmacks liegen.

Es grünt so grün, wenn die Wiesen im schönen Allgäu blühn: Zwischen den saftigen Weiden und den idyllischen Gipfeln der Region erwartet man, dass die junge Romy Schneider gleich um die Ecke biegt, um eine schmalzige Heimat-Operette zu drehen. Aber statt süßer Locken hat man auf einmal brachiale Schweller und messerscharfe Kanten im Blick.

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QS 7: Das Abt-Tuning-Paket für den Audi Q7

Dabei ist der Abt QS7 im Prinzip gar kein Auto, sondern eher ein Paket. Schon wenige Monate nach dem Marktstart des neuen Audi Q7 (Typ: 4M) im März 2015 stellte der Veredler Abt Sportsline ein standesgemäßes Maßnahmenbündel für Audis „Größten“ zusammen. 

Das beinhaltet zum einen Extrapower, zum anderen kann die Optik in zahllosen Eskalationsstufen brachialisiert werden. Das Endprodukt nennt Abt dann QS7 – was man aber wiederum nicht mit SQ7 verwechseln sollte. Letzterer ist nämlich Audis eigenes Karacho-SUV, das aber erst wesentlich später, nämlich im September 2016, fertig wurde.  

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Abt QS 7: PS und Preise

Abt Sportsline kann sowohl den 3.0 TFSI als auch den 3.0 TDI Motor des Q7 veredeln. Dank Zusatzsteuergerät steigert sich der Benziner auf 410 PS bei 520 Nm Drehmoment. Damit verbessert sich die Sprintzeit von 0-100 km/h leicht auf 5,9 Sekunden, beim Topspeed bleibt der 250-km/h-Riegel aber drinnen. Das Ganze macht dann 3.590 Euro.

Beim Selbstzünder fällt die Sache mit 2.990 Euro zwar etwas günstiger aus, dafür dieselt der QS7 aber auch wesentlich gemütlicher: Von 272 PS und 600 Nm geht es rauf auf 325 PS und 680 Nm. Damit schafft er immerhin noch einen 6,1 Sekunden-Spurt und eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. 

Abt QS 7: Die Optikpakete und ihre Preise

Die PS-Budgets wirken aber fast schon niedlich, wenn man sie mit dem kleinen Vermögen vergleicht, dass man für die Optik des Abt QS7 ausgeben kann. Rund 7.500 € kostet das Breitbau-Kit, immerhin noch ca. 6.000 der „Schmalbau“ ohne die überdimensionalen Radkästen. 5.000 – 6.000 Euro kann man allein in die sämtlichen Carbon-Elemente investieren, dazu kommen dann noch bis zu 7.000 Euro für Radsätze, 5.000 für Felgen, 2.000 für die elektronische Tieferlegung …

Außerdem wäre da ja noch der Innenraum. Hier kann man auf Wunsch nochmal fast 30.000 (!) Euro loswerden, dazu muss man aber auch über ein Dutzend Kreuzchen machen, bis alle Optionen ausgeschöpft sind.

Damit der Abt QS 7 dann genauso bombastisch wird wie unser Testwagen, muss man also erstmal €90.000 für eine entsprechende Q7-Basis rechnen, und danach noch einmal ca. €60.000 an die Firma Abt überweisen.

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Abt-Audi QS7: Optik satt!

Und was bekommt man dafür? Ein bitterböses Gefährt! Das beginnt schon bei der mit Carbon durchsetzten Front. Allerdings bekommt der Kohlenfaserstoff bei einem 2,1 Tonnen-Schlachtschiff eine ganz andere Bedeutung: Von „leicht“ kann ja nicht mehr die Rede sein – daher wirkt das gemaserte Zukunftsmaterial hier eher „böse“. Und Abt dreht ordentlich auf: Audis futuristisch gemeinte „Single-Frame-Optik“ erinnert durch den Allgäuer Karbonaufstrich eher an einen Stealth-Bomber mit nuklearer Bewaffnung.

Das „Broadway-Kit“ des Abt QS7: Wenn schon „fett“, dann auch breit!!!

Wenn man das optionale Breitbau-Bodykit dazu bestellt - was man unbedingt tun sollte - setzt sich dieser Eindruck auch an den Seiten fort. Denn die Radkästen erreichen fast die Größe eines Einfamilienhauses – und der Raum dazwischen wurde liebevoll mit bösartigen Details geschmückt.

Die Carbonkiemen vor den Vordertüren sind dabei so groß, dass sie einen weißen Hai beatmen könnten. Danach reit sich Kante an Kante: Alle Zierlinien des Standard-Q7 sind so stark verdickt, dass das Ergebnis für ein Radar eigentlich unsichtbar sein müsste, denn eine gerade Fläche bleibt eigentlich nicht mehr übrig.

Schon klar, ein Audi Q7 ist eben auch eine ziemlich große Leinwand, da kann man ordentlich klotzen. Aber Abt beweist auch in diesen Dimensionen Augenmaß: Beim Dachspoiler wäre nämlich jeder zusätzliche Zentimeter einer zu viel gewesen. Aber so wie er ist, geht er geschmacklich noch voll in Ordnung. Das gleiche gilt für die eckigen Auspuffrohre: Sie sind zweifellos groß, aber eben nicht zu groß. Angeberei auf diesem Niveau hat der Abt QS7 aber auch gar nicht nötig, zwischen den Endrohren prangt schließlich ein riesiger Carbon-Diffusor – mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Außer vielleicht, dass dieses Kriegsschiff auf imposanten Reifen der Übergröße 305/30 R22 mit 22 Zoll (!) Felgen fährt.

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Der Innenraum des Abt QS7: Vollendet veredelt!

Die Carbonorgie darf man drinnen gleich weiterfeiern, denn wenn man die Innenraumoptionen ausschöpft, kann man Lenkrad, Sitzgestellabdeckung und viele Zwischenräume rund um die Schaltkulisse mit Sichtcarbon tapezieren. Und alles, was sich nicht „carbonisieren“ lässt, wird auf Wunsch mit Leder bespannt, unzählige Ziernähte inklusive. 

Abt-Audi QS7: wie fährt sich das Tuning-SUV?

In einem Wort könnte man sagen: souverän! Unsere Diesel-Variante ist mit 325 Pferden zwar kein klassisches PS-Monster – aber die 680 Nm schieben das Schiff absolut mühelos nach vorne, ganz egal bei welcher Drehzahl. 

Allerdings fühlt man sich im QS7 auch nicht wirklich wie in einem Auto – man hat eher das Gefühl, eine Designer-Suite auf einem Kreuzfahrtschiff zu genießen. Das Platzangebot wäre für eine Übernachtung völlig ausreichend – und trotz der überdimensionalen Felgen fühlt man sich immer wie in einer Sänfte. Und wohin man auch schaut – man sieht nichts außer einem Ozean aus Carbon und Leder.

Das größte Erlebnis ist aber der Auftritt. Von Sportwagen sagt man ja gerne, darin könnte man von unten auf andere herabblicken. Mit dem Abt-Audi QS7 muss sich dafür gar nicht nach unten herabbegeben: Das Auto erregt mindestens so viel Aufsehen, wie ein seltener Supersportler. Und diese ganze Aufmerksamkeit kann man bequem genießen, während man in der üppigen Sonderausstattung herumlümmelt.

Fazit zum Abt Audi QS7: He´s got the look!

Im Ganzen lässt sich der Abt QS7 eigentlich gar nicht beurteilen – schließlich ist er ja in Einzelteilen erhältlich. Wer am Stammtisch mit Fahrleistungen beeindrucken will, kann sich nur das Steuergerät kaufen. Da bekommt er dann 1 PS für ca. 57 Euro. Das ist natürlich gesalzen, aber Abt steht eben auch für die Speerspitze des Tunings – und optional übernimmt Abt für das Ergebnis dann ja auch eine vollumfängliche Werksgarantie. Um den Wiederverkauf muss man sich auch keine Sorgen machen: Getunte Autos sind im Prinzip zwar schwer vermittelbar, aber ein Tuning mit Abt-Stempel ist von diesem Makel gänzlich ausgeschlossen.

Rekordfahrwerte liefern die 53 (bzw. 77 beim Benziner) Extrapferdchen natürlich nicht. Aber wir waren im schwächeren Diesel unterwegs und haben zu keiner Zeit einen Mangel an Schubkraft gefühlt. Im Gegenteil, die 680 Nm drücken nach vorne wie der Teufel.

Der eigentliche Clou liegt aber sicher in den Optik-Paketen. Und die sind am Ende natürlich Geschmackssache. Aber wer die Extreme liebt: Die maximale Eskalationsstufe mit Breitbau, Maximalcarbon und Edel-Interieur ist wohl kaum zu toppen. 150.000 Euro sind auf der anderen Seite aber eben auch wieder ein Wort.

Das Auto, das man dafür bekommt, ist dann vielleicht nicht das schnellste seiner Art. Aber das war anscheinend gar nicht das Ziel. Der Abt QS7 wollte wohl eher ausloten, wie martialisch man ein Auto gestalten kann, ohne dabei die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten.